Archiv für Mai 2012

Gestatten – Teil 2

Diese Geschichte hat mir dieser gewisse Schwejk Josef erzählt, als ich ihm etwas ausgegeben hatte. Ich jedenfalls war mächtig betrunken, und wir unterhielten uns über den Fußball und die Weiber, und als es recht stumpf wurde, über Politik und den Krieg im Allgemeinen, und dann, als es schon ganz dumm wurde, über die Stellung von dem Zinnsoldaten in der Welt. „Jawohl“, behauptet er, „der Zinnsoldat wird den Kampf gegen die Grünen und Gelben und Roten und Schwarzen gewinnen und sogar“, fügt er pathetisch flüsternd hinzu, „gegen die Braunen! Und auch gegen Blumen! “ Der Zinnsoldat?“ , frage ich – „Jawohl, genau der.“

Schauen’s, letztens, da hab ich erst gesehen, dass Straßenpflaster und Marmor – und so weiter, verstehen’s? – all das ist Schund, und wir laufen alle in einem Meer des Alkohols. Weil für die, die nicht trinken mögen, trinkt ein andrer doppelt, und wer was andres sagt, ist scheinheilig wie der Kaiser. Verzeihung, habe nichts gesagt. Und da kann die Stadtreinigung penibel arbeiten wie sie mag. Unnd da hab ich mir gesagt, Joosef, hab ich mir gesagt, du machst jetzt was Besondres und stellst Zinnfiguren auf diese Kroonkooorken. Und schon ist es ein Bild von unsrer Weeelt.“

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Schwejk stinkt aus dem Mund und lallt. Ich habe sowieso seit langen den Eindruck, dass er nur Schrott erzählt.

SF Bolte

Gestatten?

Gestatten? Schwejk Josef mein Name. Irgend so ein Meerschwein hat so Geschichten über mich erzählt, und wie ich letztens das Hunderl von dem Herrn Dobrinzceck so ansehe, verstehen‘s, ich mag der verehrten Frau Müller ein solches zukommen lassen, da ist da vor mir doch so ein Buchladen mit den Abenteuern des braven Soldaten Schwejk. Schwejk?, frage ich den Verkäufer. Jawohl, antwortet dieser unverblümt. Ich nenne ihn unverschämt. Der Schwejk, das bin ich, sag ich. Das Hunderl draußen ist auch weg. Also erstmal Bier fassen, denk ich mir und geh in ein Lokal. Und wie die Wirtin mir da die Speisekarte gibt, seh ich mein Bild darauf! Freilich, sag ich mir, du bist ein Dummerchen! Vielleicht bist du umgestiegen von der Kynologie auf Gastronomie. Das hier wird deine Gaststätte sein, und wie du draußen spaziert bist, hast du’s an der frischen Luft vergessen. Den Kellner, den Pavliczek, werd ich sofort feuern. Er benimmt sich mir gegenüber wie bei einem normalen Gast. Bei diesen streunenden, biertrinkenden Kötern! Als könnten Sie nicht vernünftig arbeiten. Freilich, du kannst dein Bier trinken. Hast ja, klopfst du dir auf die Schultern, hart gearbeitet. Aber wie du das siebte Bier bestellst, fragt das Fräulein Wirtin nach deiner Zahlungsfähigkeit. Sie ist eine moderne Pragerin und fragt, genauer gesagt, nach einer gewissen Liquidität. Ach nein, das Fräulein Wirtin, sag ich also, schauen’s, sehen’s denn nicht, wer ich bin? Nein, sagt sie, möchte wissen, ob der gnä‘ Herr Zahlen mag. Naa, schauen’s nur hin, sag ich. Mein feinstes Lachen zeige ich. Herr, meint sie nur, Sie sind ja betrunken. Sie schauen’s mir blöde zu sein. Ganz und gar blödsinnig!

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Ich musste nicht bezahlen, selbstverständlich nicht, wegen übermäßiger Blödsinnigkeit, um wenigstens diese Geschichte zu beenden.

(Fortsetzung folgt)

SF Bolte

1. Mai – Tag der Arbeit

(Kapitalismuskritiker; Abb. ähnlich / Bemalung: SF Bolte / Foto: dfo)