Das Zinnfigurenhandwerk ist ein in Deutschland anerkanntes Kunsthandwerk, das aus der traditionellen Zinngießerei hervorgegangen ist. Figürliche Abbildungen und Miniaturen sind eine Universalie der meisten Kulturen und schon seit dem Archaikum anzutreffen. Zinnfiguren sind in Europa seit dem 13. Jahrhundert nachgewiesen. Grund genug also, um dieser Tradition weiter nachzugehen.

In der neueren Zeit haben sich bestimmte Standards für Figuren herausgebildet, und im wesentlichen dürfen vollplastische von flachen Figuren unterschieden werden. Vollplastische Figuren weisen Vorzüge bei der Bemalung auf, Flachfiguren hingegen in ihrer beliebigen Kombinierbarkeit, was sie ideal für komplexe Aufstellungen macht.

An der Technik der Herstellung hat sich über die Jahre nicht viel geändert. Zinn ist natürlich der Hauptbestandteil einer Figur, neben Blei und Antimon für Flexibilität und Gusseigenschaften. Die Formen bestehen heute meist aus feinstem Schiefer, gelegentlich auch aus Gips oder Metall.

Naturgemäß scheiden sich an den Motiven von Zinnfiguren die Geister, zumal auch die Zinnfigur gesellschaftlichen Moden und Trends unterworfen ist. Der Ausdruck ‚Zinnsoldat‘ stammt nicht von ungefähr, sondern aus einer Zeit in der Zinnfiguren ein Spielzeug für Jungs waren. Dieser Hintergrund ist heute natürlich obsolet und so geht es bei der Beschäftigung mit der Zinnfigur meistens darum, historische Zusammenhänge einfach und für jedermann fassbar zu machen. Dieses Anliegen steht im erklärten Gegensatz zur praktischen Museologie, die dem Betrachter meist nur Repliken mit Unmengen Text bietet und selbst hierbei noch umfangreiche Grundkenntnisse voraussetzt. Die Figur hingegen, oder besser noch ein komplett inszeniertes Schaubild (Diorama), verdeutlichen hingegen komplexe Zusammenhänge ‚auf einen Blick‘ und üben zudem einen Reiz aus, der von Jung und Alt gleichermaßen wahrgenommen werden kann.

Zwar ist die Zinnfigur noch nicht vollkommen aus dem Bewußtsein der Menschen verschwunden, jedoch spielt sie außerhalb von Sammlerkreisen kaum noch eine Rolle. Dabei gibt es heute wieder eine Fülle neuer Motive und Gestaltungsmöglichkeiten, die die Figur auch für den nicht ausschließlich historischen Interessierten sammelbar macht. Neben dem ‚Zinnsoldaten‘ existieren heute völlig gleichberechtigt zivile Themen, wie Fantasy, Märchen oder auch Fenster- und Christbaumschmuck aus Zinn.

Allerdings muss auch bemerkt werden, dass die Entwicklung und die gesellschaftliche Bedeutung der Zinnfigur auch in Sammlerkreisen durch Elitestreben und Proporzdenken gefährdet ist, weswegen wir uns für diesen Webauftritt entschieden haben. Wir sind der Aufffassung dass das Thema weder durch Medaillenjagden noch durch künstlich gesteigerte Exklusivität am Leben erhalten werden kann und wollen uns auf diesen Seiten dem reinen Hobby an sich zuwenden. Im Vordergrund stehen dabei 30mm flache, feine kulturhistorische Zinnfiguren, aber auch alle anderen Figurenthemen. Wichtig ist uns der Abstand zu Autismus fördernden ‚Weltmeisterschaften‘ oder unsinnigen Parteikämpfen. Der Zinnsarg soll für seine Mitglieder ein unkomplizierter Raum sein, ihre Arbeiten zu präsentieren, zu schmökern oder sich zu verständigen.

Das Team der Moderation

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