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Sammlerausflug nach Dresden

Am Reformationstag trafen sich 6 Leipziger Sammler, um gemeinsam nach Dresden zu fahren. Wir nutzten das Sachsen-Ticket und fuhren mit dem Zug. Aufgrund des schönen Wetters waren wir nicht die einzigen, es waren viele Wanderer Richtung Sächsische Schweiz dabei.

In Dresden angekommen fuhren wir mit der Bahn weiter zu unserem eigentlichen Reiseziel: dem Armeemuseum in Dresden.
Ich hatte das Museum nach seinem Umbau durch den Stararchitekten Liebeskind noch nicht gesehen. Der Keil, welchen Liebeskind dem alten Gebäude verpasst hat, ist zunächst wirklich gewöhnungsbedürftig.

Die ständige Ausstellung im Museum wurde durch die Sonderausstellung blutige Romantik und die Sonderausstellung Ihre letzte Schlacht 1636 ergänzt. Diese beiden Sonderausstellungen waren die Motivation für unserer Reise.

Nachdem wir uns durch die reguläre Ausstellung gekämpft hatten ein kurzes Fazit. In manchen Räumen sind nur wenige Exponate: kleine Bilder an riesigen Wandaufstellern. Andere interessante Sachen sind schlicht zu schlecht beleuchtet. Zudem wechseln die Epochen. Ein napoleonischer Munitionswagen steht da schonmal neben einem Füsilierrock aus dem Siebenjährigen Krieg.

Immerhin, Uniformen und alte Waffen sind zu sehen, und auch sehr interessante Stücke. Auch ein Zinnfigurendiorama, die Verladung von Kavalleriepferden zu Zeiten Kaiser Wilhelms von Stemmler ist in der regulären Ausstellung zu sehen.
Die Ausstellung für den Zeitraum ab 1945 finde ich gewöhnungsbedürftig: Warum werden denn bitteschön Spinte und Doppelstockbetten aus NVA-Kasernen ausgestellt. Da hat doch der Fundus bestimmt interessantere Dinge zu bieten.

Die Sonderausstellung „Ihre letzte Schlacht 1636″ beschäftigt sich mit einem Massengrab aus der Schlacht bei Wittstock. Anhand von Knochen- und Schädelfunden wurden die Lebensumstände, die Krankheiten und die Todesursachen von einer Vielzahl von Personen aus dem Massengrab ermittelt. Es ist schon interessant, was man anhand des Zahnstatus´eines alten Gebisses so alles ablesen kann.
Umrahmt wurde die Ausstellung von begleitenden Artefakten wie Münzfunden, Waffenteilen und einer Reproduktion eines Söldners anhand eines gefundenen Schädels. Wissenwert war auch die Beschreibung der gängigsten Parasiten und Würmer, welche den Soldaten seiner Zeit plagten. Eine spezieller Leitfaden für Kinder soll die Ausstellung auch für die lieben Kleinen interessant machen.

Die Sonderausstellung „Blutige Romantik“ teilt sich in zwei Teile: der erste Teil mit den „üblichen“ Exponaten und der zweite Teil hört auf den Namen „Zinnfiguren bluten nicht“, dort sind eine Reihe Dioramen zu sehen, dazu später.

Der erste Teil der Ausstellung führt also in die Zeit Napoleons und beginnt mit zwei Vitrinen voller Andenken an Napoleon. Neben den Porzellanbüsten findet man dort auch eine alte Fischbüchse mit Napoleon-Heringen. Weiter geht es mit tollen Gemälden, Waffen und der originalen Kartentasche von Napoleon aus Waterloo. Einige alte Kopfbedeckungen sind zu sehen, wie auch einige Erinnerungsstücke. Auch ein Nachtopf mit den Bildnis des großen Feldherren. Es sind die kleinen Details einer ansonsten typischen Sonderausstellung allerdings ohne echte Höhepunkte.

Der zweite Teil in einem seperatem Gebäude umfasst an den vier Wänden die Dioramen und mittig im Raum einen großen, wiederum schlecht beleuchteten Schaukasten mit den sehenswerten Straßburger Papiersoldaten. Die Dioramen decken die ganze Epoche von 1806 – 1815 ab. Sehenswert ist das Möckerndiorama von Stemmler (ich kannte es bisher nicht) und das Diorama mit dem verbündeten Feldherren bei der Schlacht in Großgörschen (was eine Leihgabe aus dem Heimatmuseum in Großgörschen ist). Auch ein sehenswertes Festungsmodell von Dresden und zwei nette Dioramen zu Waterloo 1815 sind ausgestellt. Ergänzt wird die Schau durch speziell gestaltete Action-Figuren mit Uniformen aus der Napoleonischen Zeit. Diese ca. 30 cm hohen Figurinen geben ein sehr lebensechtes Bild ab, vor allem, wenn sie entsprechend mit Schlachtfeld-Dreck verschmutzt sind.
Für Zinnfigurensammler ist diese Dioramenschau empfehlenswert.

Ein Tipp im Armeemuseum ist der gut bestückte Buchladen und das Cafe. Wir haben uns dort vorzüglich gestärkt und das zu moderaten Preisen.

Dioramen I

Stemmler widmete sich in seinem künstlerischen Schaffen vielen Techniken, eine davon war der Dioramenbau mit flachen Zinnfiguren. Das nachstehende Bild zeigt eine hussitische Wagenburg so um 1420-1430. Einige der Stemmler`schen Dioramen sind noch im Torhaus Dölitz zu sehen, von anderen existieren nur Fotos.

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Dioramen zu fotografieren ist allgemein schwierig und so ist es auch bei alten Aufnahmen, die einst Stemmler von seinen zinnfigürlichen Arbeiten anfertigte. Leider ist das Bild auch nur s/w so daß die Details der Bemalung und Farbgebung nicht so deutlich zu erkennen sind. Auf jeden Fall aber liegt dem Diorama in seiner Gestaltung die für Stemmler typische Detailverliebtheit und Gewissenhaftigkeit zu Grunde.

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Werbemalerei I

Wie schon erwähnt, bevor Stemmler zur Zinnfigur kam, widmete er sich viellerlei Techniken. Die Werbemalerei war eine davon. Obwohl diese von Stemmler nur wegen des Zuverdienstes betrieben wurde, ist auch sie beredtes Zeugniss seiner Schaffenskraft.

Stemmler,Werbemalerei

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Scherenschnitte II

In Stemmlers Werken widerspiegeln sich Wirklichkeitstreue und Detailverliebtheit. Die Sillhouetten seiner Scherenschnitte wären geeignet, sich mit den dynamischsten Zinnfiguren zu messen.

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Aquarelle I

Stemmler beherrschte neben filigranen, eher handwerklich orientierten Techniken, auch die Malerei. Erhalten geblieben sind oftmals leider nur Fotografien seiner Werke. Nachfolgend eines, dessen Motiv wohl gerade zur Jahreszeit passt.

Stemmler,Aquarell

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Scherenschnitte I

Stemmler musste ein, in der Wahrnehmung der äußeren Realität, sehr empfindsamer Mensch sein. Seine Hinterlassenschaften in Form von Scherenschnitten zeugen jedenfalls davon.

scherenschnitt

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Stemmler – Zeitzeuge und Vorreiter

Zu den herausragenden Persönlichkeiten in der Geschichte des ZFL gehört Karl Stemmler. Obwohl er erst im Alter von 63 Jahren begann, sich mit Zinnfiguren und Dioramenbau zu beschäftigen, gilt er unwidersprochen als einer der Kreativsten in diesem Hobby.

Was Stemmler aber besonders macht, ist sein universelles, handwerkliches und künstlerisches Talent, durch welches er die verschiedensten Techniken in seinem lebenslagen Schaffen verwirklichen und dem modernen Dioramenbau, der zur Grundlage der heutigen ‚Leipziger Schule‘ wurde, auf die Beine helfen konnte.

In der Folge werden in dieser Kategorie einzelne, ausgewählte Bilder gezeigt und nötigenfalls kommentiert, die das verschiedenartige Wirken von Karl Stemmler illustrieren sollen. Schwerpunkt ist hierbei sein Schaffen außerhalb der figürlichen Historiendarstellung.

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Karl Stemmler (Mitte) / Quelle: ZFL

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